Wie wir arbeiten

Was ist „Soziokratie“?

 

Wichtig war es uns, die alten hierarchischen (von oben nach unten) Strukturen durch neue, kreisförmige (auf gleicher Augenhöhe) Strukturen zu ersetzen und uns nach folgenden Werten zu organisieren:

 

•Gleichwertigkeit aller Beteiligten

•Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Mitarbeiter und Teams

•Transparenz

•Fairness, gerechter Ausgleich im Geben und Nehmen

•partnerschaftlicher Umgang

•Menschlichkeit

 

Die Soziokratie ist eine effiziente Struktur mit einer Vielzahl von Instrumenten und Verfahrensweisen, die überall verwendet werden können, wo Menschen gemeinsam etwas bewegen wollen. Sie trägt dazu bei, dass die Arbeit leichter, effizienter und zugleich auch intelligenter und freudvoller geschehen kann.

 

Die Soziokratie ist daher für eine Umstrukturierung von Organisationen, in Entscheidungsfindungsprozessen und als Moderation anwendbar. Vor allem geht sie von der bereits oben erwähnten Gleichwertigkeit (der gleichen Augenhöhe) aller Beteiligten aus.

Wichtigste Prinzipien sind, dass nur dann eine Entscheidung getroffen wird, wenn keine/r der Anwesenden einen schwerwiegend begründeten Einwand hat (= Konsentprinzip oder Kein-Einwand-Prinzip) und dass alle in einem Kreis zur Entscheidung beitragen.

Die Methode fördert ein kooperatives Miteinander, Eigenmotivation, Selbstverantwortung und verändert langfristig die Organisations- und Kommunikationskultur.

 

 

Die vier Grundprinzipien der Soziokratie sind:

 

1.) Das Konsentprinzip*

Eine Entscheidung gilt dann, wenn kein Teilnehmer einen schwerwiegenden und argumentierten Einwand gegen einen zu fassenden Beschluss hat (ist kein Vetorecht, sondern das Aushandeln auf der Basis von nachvollziehbaren Argumenten).

2.) Die Organisation in Kreisen

Die Organisation wird in Kreisen aufgebaut, die innerhalb ihrer Grenzen autonom ihre Grundsatzentscheidungen treffen. In diesem Kreis werden alle Grundsatzentscheidungen getroffen, ausgeführt und ihre Zielerreichung gemessen.

3.) Doppelte Koppelung der Kreise (soziokratisches Organisationsmodell)

Zwischen den Kreisen gibt es eine doppelte Verknüpfung, d.h. jeweils zwei Personen nehmen an beiden Kreissitzungen teil. Einmal wird von oben ein/e LeiterIn bestimmt, dann von unten ein/e DelegierteR gewählt. Das bedeutet, dass wenigstens zwei Personen eines Kreises an der Beschlussfassung im nächst höheren Kreis beteiligt sind.

 

4.) Die soziokratische Wahl von Personen

FunktionsträgerInnen und Delegierte werden nach offener Besprechung und mit Konsent* gewählt.

 

* Konsent ist nicht Konsens. Konsent heißt nicht „Ja, ich stimme zu!“, sondern „Ich habe keinen schwerwiegenden Einwand dagegen“. Ein solcher Beschluss wird in dem Kreis gemeinsam und kreativ auf der Basis von Argumenten gefunden und liegt dann innerhalb des Toleranzbereiches jeder Mitwirkenden im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel.

 

Ganz besonders möchten wir uns bei unserem Berater und Moderator Mag. Christian Rüther bedanken. Er hat uns in unserer im Februar stattgefunden „Klausur zur Teambildung und Visionsfindung“ in die Soziokratie und GFK (Gewaltfreie Kommunikation) eingeführt und begleitet uns auch weiter auf unserem Weg in die Soziokratie.

 

Quellen:

http://www.soziokratie.org/

http://www.partizipation.at/soziokratie.html

http://www.soziokratie.at/

 

 

Worte sind Werte

 

Die Macht der Worte und Gewaltfreie Kommunikation

 

 

Wenn wir die Strukturen der Soziokratie (siehe „Was ist Soziokratie?“), in denen es um partnerschaftlichen Umgang, Menschlichkeit und eine Gleichwertigkeit aller Beteiligten geht, umsetzen und leben wollen, können wir das nicht mit einer respektlosen, abwertenden und kriegerischen Sprache.

Wenn wir Neues in die Welt bringen wollen – Respekt, Wertschätzung, Authentizität, ein gutes Miteinander - braucht es nicht nur neue Methoden und Strukturen, sondern auch eine neue Sprache. Deshalb haben wir uns auch entschieden, statt eines „Wahl-kampfes“ ein „Wahl-engagement“ zu führen. .

 

Die Gewaltfreie Kommunikation ist ein von Marshall Rosenberg entwickelter Kommunikations- und Konfliktlösungsprozess. Der Prozess unterstützt Menschen, mit sich selbst und anderen in empathische Verbindung zu treten, und im sozialen Miteinander die Anliegen aller beteiligten Menschen zu berücksichtigen. Wesentlich dabei ist die Haltung und das Menschenbild, das unserem Handeln und Denken zugrunde liegt. Diese spiegeln sich in unserer Sprache wieder. Deshalb inspiriert die Gewaltfreie Kommunikation zu einem Sprachgebrauch, der Brücken baut - weit über individuelle Grenzen hinaus. Darüber hinaus plädiert sie für eine Welt, in der Strukturen und Systeme dem Leben dienen. *)

 

Worte erzeugen innere Bilder und diese Bilder erzeugen Emotionen – positive oder negative. Es entsteht gleichsam ein "Kino im Kopf" durch Sprache.

Deshalb ist es sehr wichtig, welche Worte verwendet werden. Sprache kann wertschätzend sein und Freude bereiten oder sie kann Menschen verletzen. Worte können Beziehungen stärken, belasten oder beenden.

 

Worte können trennen oder verbinden, mit ihnen errichten wir Mauern oder öffnen Fenster.

 

Grade auf politischer Ebene ist in den letzten Jahrzehnten die Aggressivität in der Sprache förmlich „explodiert“. Niemand lässt den anderen ausreden und hört damit auch nicht zu. Es wird versucht, den „Gegner“ nicht zu Wort kommen zu lassen, sondern ihn „fertig zu machen“, ja ihn zu „vernichten“. Um ein Miteinander geht es hier nicht, sondern um ein „Gegeneinander“. Eine wahrhaft kriegerische Sprache mit vielen aggressiven Emotionen, die sich in geschrieenen Abwertungen – dem Gegner „um die Ohren schlagen“ – „entladen“.

 

Marshall Rosenberg bezeichnet eine aggressive Sprache als „Wolfssprache“, die dazu führt, dass sich der andere schlecht fühlt, sich wehrt oder ausweicht. Laut Rosenberg verursacht diese Kommunikation gegenseitige Aggression.

 

In der gewaltfreien Kommunikation richtet man die Aufmerksamkeit dagegen darauf, was einem wichtig ist und vermeidet in der Kommunikation alles, was beim Gegenüber als Bewertung, Beschuldigung, Kritik oder Angriff ankommen könnte - daher die Bezeichnung "gewaltfreie Kommunikation". Rosenberg bezeichnet die Gewaltfreie Kommunikation auch als "language of the heart“ oder "Giraffensprache“. Die Giraffe ist das Symboltier für die Gewaltfreie Kommunikation. Der lange Hals soll die Weitsicht symbolisieren und ihr großes Herz steht für Mitgefühl.

 

Ob in privaten Beziehungen oder in der Politik – auf den neuen Wegen die wir gehen, geht es um ein menschliches und respektvolles Miteinander.

Und so ist ein grundlegendes Ziel der achtsamen Sprache gleich wie in der Soziokratie, „gemeinsam“ Wege zu finden, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen.

 

“Das Spiel, das mir am meisten Spaß bringt, heißt "Das Leben wunderbar machen". Die meisten Leute spielen "Wer hat Recht" und wissen nicht, dass es auch ein anderes Spiel gibt.“

(Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, 1934-2015)

 

Quelle:

*) http://www.gewaltfrei.at/

 

Information für diejenigen, die das Thema noch etwas vertiefen wollen:

* http://www.gfk-training.com/was-ist-gewaltfreie-kommunikation/

* http://www.zeit.de/zeit-wissen/2012/06/Sprache-Worte-Wahrnehmung

 

 

 

Politik und Zivilgesellschaft

 

Zusammenbringen was zusammengehört und gemeinsam neue Wege beschreiten.

 

 

Von Monika Krampl, veröffentlicht auf: https://www.fischundfleisch.com/blogs/politik/zusammenbringen-was-zusammengehoert-politik-zivilgesellschaft-und-gemeinsam-neue-wege-beschreiten.html

 

Einer der Gründe warum ich nach 30 Jahren Arbeit in Projekten und Initiativen der Zivilgesellschaft in die Politik (Die Grünen St. Pölten) gegangen bin ist, Zivilgesellschaft und Politik zusammen zu bringen.

 

Auf der einen Seite gibt es die mit Recht (Partei-)Politikverdrossenen.

 

Auf der anderen Seite gibt es die vielen Menschen aus der Zivilgesellschaft - Bürger und Bürgerinnen – die in den letzten 30 Jahren aufgrund neuer Bedürfnisse, Wünsche und Erfordernisse in den verschiedensten gemeinschaftlichen Projekten viele neue Organisations-, Kommunikations- und Lernmethoden entwickelt haben, die nicht nur dem Zeitgeist entsprechen, sondern die auch in die Politik Eingang finden sollten.

 

Zivilgesellschaftliche Projekte, Initiativen und Netzwerke sind zu wichtigen Treibern von innovativen Entwicklungen geworden und die involvierten BürgerInnen haben sich durch soziales Lernen, experimentieren und Wissensaufnahme neue Kompetenzen angeeignet.

 

Auch die BürgerInnen in den einzelnen Projekten mussten lernen. Sie lernten, dass man im wertvollen Chaos Ideen und Visionen zur Welt bringen kann, dass für die Umsetzung – Ideen zur Welt zu bringen – Strukturen notwendig sind. Da die alten hierarchischen (von oben nach unten) Strukturen nicht mehr passten, haben sie vielfältigste, neue, kreisförmige (auf gleicher Augenhöhe) Strukturen und Methoden entwickelt.

 

Politik kommt nicht mehr bei den Menschen an, wenn es nicht mehr um das Gemeinwohl – um die Bedürfnisse – der Menschen geht, sondern um die so genannten „Sachzwänge“.

Politik kommt auch nicht mehr bei den Menschen an, wenn PolitikerInnen nicht merken, dass ein Paradigmenwechsel stattfindet, dass sich die Werte, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen verändert haben. Und vor allem sind viele Menschen der „Autoritätsgläubigkeit“ des 20. Jdhts. entwachsen. Wobei so manche „Landesfürsten“ noch aus den Formen des 19. Jdhts. heraus agieren. Das passt nicht mehr und Menschen wollen das auch nicht mehr.

 

Grade die sehr engagierten Menschen wollen über ihren Lebensraum und die Entwicklung der Gesellschaft mitgestalten und mitbestimmen. Tun sie das doch schon – bis jetzt noch nicht wahrgenommen von der politischen Ebene – schon eine ganze Weile!

Und - sie können das genau so gut und schlecht wie PolitikerInnen. Vielleicht sogar ein Stück besser, nicht weil sie besser sind, sondern weil sie eine Fehlerkultur entwickelt haben, in der Fehler als wertvoll erachtet werden und daher einen Lernprozess anregt.

 

PolitikerInnen müssen aufwachen und aufhören zu glauben, dass "nur sie" fähig sind Politik zu machen. Es ist an der Zeit, gemeinsam Politik zu gestalten - PolitikerInnen und jene Bürger und BürgerInnen aus der Zivilgesellschaft, die bereit dazu sind und sehr viel an Engagement, Erfahrung und Wissen mitbringen.

 

Der Hunger nach gemeinsinnigen, lebensbejahenden Wirtschaftsformen wächst (Zitat: Heini Staudinger)

 

Der Hunger nach gemeinsinniger, lebensbejahender Politik wächst auch!

 

Monika Krampl, 29 07 2015